Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: Business | Keine Kommentare

Die asiatische Wirtschaft entwickelt sich zum Monstrum: Sie wächst rapide, überholt die westliche Produktionskraft im Vorbeigehen und stellt nebenbei komplett neue Business-Regeln auf.

Einen erheblichen Vorteil genießen deshalb Firmen, die ihre Mitarbeiter quer durch den Personaleinsatzplan auf den asiatischen Absatzmarkt einschwören. Interkulturelle Trainings sind ein wichtiger Baustein in dieser Schulungsstrategie. Über exakt diese Fortbildungsmethodik berichtete gestern die Süddeutsche online im Artikel „Karaoke im Kollegenkreis


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„Um optimal auf den Auslandseinsatz vorzubereiten, sollte ein interkulturelles Training daher mit einer Sensibilisierung der Mitarbeiter durch Gespräche, Beobachtungsübungen oder Rollenspiele ansetzen.“


Leider verbleiben solche Techniken allzu oft im theoretischen Einstudieren von Nettigkeitsphrasen und bestimmten Bewegungsabläufen. Inzwischen dürfte jeder International Management-Student wissen, dass Visitenkarten im japanischen Erstkontakt zwingend mit beiden Händen zu empfangen sind und dass es abends zum guten Ton gehört, sich in der Karaokebar die eigene Stimme heiser zu brüllen.

Aber gewinnen wir mit diesem Auswendiglernen von Gestiken und symbolischem Verhalten wirklich ein nachhaltiges Verständnis? Entziffern wir tatsächlich die Intentionen und Emotionen des Business-Partners trotz der kulturellen Andersartigkeit? Dagegen sprechen Studien, die sich mit dem Phänomen des cross race effect beschäftigen. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die globale Erscheinung „Die sehen ja alle gleich aus!“

Bevor wir uns also bestimmte Bewegungs- und Verhaltensmaßregelungen auferlegen lassen, sollten wir genauer hinschauen – im wahrsten Sinne des Wortes: Nämlich in das Gesicht des Gegenübers. Emotionserkennung ist die Grundlage für erfolgreiche Verhandlungen und kulturübergreifende globale Kooperationen. Dass es hier größten Nachholbedarf gibt, beweist Wikipedia mit folgenden Zahlen:

„[M]indestens 50% der Verhandlungen zwischen Deutschen und Chinesen scheitern. Selbst eine erfolgreich abgeschlossene Vertragsverhandlung führe zu 60 bis 70% zu suboptimalen Abschlüssen. (…) Auswirkungen des Cross-Race-Effect sind z.B. geringe emotionale Intelligenz, schlechte Kommunikationsfähigkeit, fehlende Empathie und falsche Einschätzungen des Kommunikationspartners des fremden Landes.“

Damit ist jeder zweite Abschluss zwischen deutschen und chinesischen Geschäftspartnern aufgrund mangelnden Einfühlungsvermögens gefährdet. Die Lösung dieses Problems liegt im so genannten kulturellen Emotionslernen, das bereits der bekannteste zeitgenössische Emotionsforscher Paul Ekman beschrieben hat. Durch den regelmäßigen Kontakt mit anderen Kulturen lernt das Gehirn, Mimik, Gestik und Proxemik schneller zu entschlüsseln und damit exakter zu deuten.

Dass Spiegelneurone hier eine tragende Funktion übernehmen, dürfte außer Frage stehen. Schließlich ist das simultane Nachvollziehen der Handlung des Gegenübers neuronal angelegt. Sehr spannende Serious Games in diesem Kontext habe ich beim Münchner Unternehmen Global Emotion entdeckt, das sich auf die Schulung eben jener Gesichtserkennung und dem Training interkultureller Kompetenzen spezialisiert hat. (Wie so etwas ausschaut, ist nur einen Klick zu YouTube entfernt.) Global Emotion ist auf der diesjährigen LearnTec anwesend – wir dürfen gespannt sein, wie gut jeder Einzelne beim Lernsoftware-Selbstversuch abschneidet.

Fazit:
Interkulturelle Kompetenz und kulturübergreifendes Verhandlungsgeschick beginnen im Gesicht – aber bitte mit Gefühl. Und: Nur gut geschulte Mitarbeiter entwickeln ein echtes Verständnis, mit dem sie die asiatische Wirtschaft und ihre Investitionskraft erschließen können.

Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: Business | Keine Kommentare

Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: Gehirn und Geist, Wissenschaft | 8 Kommentare

Die Digitale Evolution erlebt jeder Wissensarbeiter und jeder selbst ernannte Vertreter der Digital Bohème am eigenen Körper: Nach stundenlangem Lesen im Schein des Monitors wissen wir zwar, weshalb Internet-Visionär David Weinberger die Unzitierbarkeit von Barack Obama für dessen größte Stärke hält und dass Sascha Lobo vor exakt zwei Tagen seinen eigenen Blog gelauncht hat.
Genau dieser Zeit berauben wir uns jedoch täglich - und reduzieren so ganz nebenbei die Situationen, in denen wir direkt - ohne digitale Tools und Brücken - mit anderen Menschen in Kontakt treten. (Die Soziologie spricht hier von der Face-to-face-Kommunikation, also der Kommunikationsituation schlechthin.)

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Natürlich bringt der virtuelle Austausch ungesehene Vorteile für den kollektiven Aufbau von Wissen, für Wissensweitergabe- und transformation, für globaler Vernetzung in Echtzeit. Parallel wird jeder aber zwangsläufige Veränderungen im sozialen Umfeld und Kontext erleben. Dass dieser change (da wir gerade schon bei Obama sind) eng mit leibhafter Anwesenheit und neuronalen Strukturen verknüpft ist, mutmaßt auch Vittorio Gallese. Von Haus aus Neurophysiologe besitzt Gallese nicht nur einen klingenden Namen, sondern seit 2007 auch die Auszeichnung für die Entdeckung der Spiegelneurone (gemeinsam mit den ähnlich namensbegnadeten Giacomo Rizzolatti and Leonardo Fogassi).


Sehr konkrete Schlüsse für die Digital Bohème zog Gallese im Interview mit Stefan Klein, das im letzten Jahr im ZEITmagazin leben (Nr. 21/2008) zu lesen war. Kurz umrissen: Je weniger sich Menschen direkt gegenüber stehen, unvermittelt miteinander kommunizieren und sich dabei als bewegende reale Körper wahrnehmen, desto massivere Auswirkungen hat dies auf unser Einfühlungsvermögen.

Der Grund liegt auf der Hand: Empathie entwickelt sich im sozialen Kontext.
Fangen wir ganz vorne an: Spiegelneuronal betrachtet erlernen wir als Neugeborene bereits einfache Bewegungsabläufe, indem wir die Bezugspersonen in ihrer Bewegung beobachten und nachahmen (im Bild sehr schön am Beispiel von Andrew M. Meltzoff zu sehen). Und dabei nach und nach lernen, dass der uns entgegenkommende Löffel mit Brei beladen ist. Im Lauf der Zeit lernen wir durch Imitation, diesen Löffel (mehr oder minder) selbst zu benutzen. Fazit:

“(…) unser gesamtes Denken und Fühlen [beruht] darauf, dass wir die Körper anderer Menschen beobachten, dass wir Dinge anfassen und sie manipulieren.”

Fällt diese gegenseitige Beobachtung und Interaktion über längere Zeit aus, könnten wir Empathie verlernen und vieles, was mit motorischen Grundlagen zu tun hat. “(…) das muss starke Auswirkungen auf unsere sozialen und geistigen Fähigkeiten haben,” konstatiert Gallese. Denn wer seine Spiegelneurone nicht mit sozialen Offline-Situationen pflegt, der lässt seine biologische Grundlage für Einfühlung verkümmern. Und damit ist man dann auch fast schon der Existenz als Geek oder Nerd geweiht.

Fazit:
Hilfe!

Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: Gehirn und Geist, Wissenschaft | 8 Kommentare

Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: In eigener Sache, Marketing und PR | 1 Kommentar

Lange Gänge, gestrichen in dezenter Eierschalenfarbe und der allgegenwärtige Geruch von Desinfektionmitteln: Gemeinsam mit Björn Eichstädt - Geschäftsführer der Tübinger Agentur Storymaker - schnupperte ich Ende letzten Jahres Krankenhausluft. Wir trafen uns zum Interviewtermin im Stuttgarter Karl-Olga-Krankenhaus, Sektion bildgebende Verfahren der zentralen Röntgenabteilung.

Zu sehen ist das Ergebnis seit heute auf YouTube. Darin u.a. wie Spiegelneurone funktionieren und was passiert, wenn Empathie sich unserer Kontrolle entzieht.

Ein ausführliches Interview gibt es außerdem im aktuellen Storyletter, (jüngst mit Silber prämiert). Darin gibt es zusätzliche Informationen zur Wirkweise der Spiegelneurone, zu den Vorteilen videobasierter Kommunikation und intelligenter Marketingstrategien am Beispiel der iPod-Kampagne.

Kleine Anekdote:
Erst nachdem das Video fertig produziert war, fiel mir auf, dass der mint-grüne Computertomograph hinter Björn Eichstädt und mir den passgenauen Namen “Siemens SOMATOM Emotion” trägt. Möglicherweise befanden wir uns tatsächlich im Original-Setting von Stanley Kubrick´s “2001: A Space Odyssey“.

Credits:
Danke an das Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart und das Team, das uns gezeigt hat, wie rasend schnell ein Mensch im Tomographen schicht- und schnittchenweise darstellt werden kann!

Tipp:
Neben dem Storyletter beweisen die Tübinger PRler gelebte Crossmedialität auch via Up-to-the-minute-Twitter und eigenem Weblog, inklusive aktuellem Beitrag zum Interview mit Web-Visionär Sascha Lobo.

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Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: In eigener Sache, Marketing und PR | 1 Kommentar

Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: Marketing und PR, Musik | 3 Kommentare

Für die Werber unter uns ein Video wie ein viraler Hauptgewinn:
Phantastisch dargestellt, wie Musik und Gruppendynamik zusammenfließen.

Wieder ein Beweis, dass gute virale Kampagnen ein Gefühl von Unmittelbarkeit vermitteln. Mal ehrlich: wer hätte sich nicht geärgert, mitten drin zu stecken und die Choreographie nicht zu kennen?

Popkulturelles Kontextwissen:
Das genaue Gegenteil von Choreographie am exakt selben Ort, der Liverpool Street Station = pures Chaos ab Minute 4:07 auf YouTube.

Tipp:
Videos nebeneinander laufen lassen.

Verfasst von Nadia Zaboura | Kategorie: Marketing und PR, Musik | 3 Kommentare