
Jeder von uns nutzt Musik - mehr oder weniger intensiv. Um abzuschalten, sich abzureagieren, zu fokussieren. Das Phänomen Musik nutzte Deutschlandradio Kultur heute für einen spannenden Hinweis auf Julia Fischer. Mit 23 Jahren ist die Münchnerin keineswegs mit Joschka Fischer verbandelt, sondern die jüngste Professorin Deutschlands. Ihre Disziplin: die Violine.
Auf den Zusammenhang zwischen Musik und Empathie zielt das folgende Zitat Fischers in diesem Radiobeitrag:
“(…) es gibt eine Trennlinie zwischen der Kunst und dem Entertainment. Unterhalten heißt amüsieren. Das will ich nicht, sondern ich will als Künstlerin die Menschen erziehen. Ich will, daß sie fühlen lernen.” (FAZ vom 24.02.2008, Nr. 8 )
Das gesamte FAZ-Interview vermittelt einen faszinierenden Eindruck ihrer präzisen Weltanschauung und die Schulung von Empathie durch Musik .
Was den meisten von uns vorenthalten bleibt, erlebt Julia Fischer täglich: Einfühlung als passiver und aktiver Akt. Aktiv betrieben lässt sie ihre Zuhörer ihre Musik fühlen. Passiv verstanden muss sie “[a]ls reproduzierender Künstler [...] die Gabe haben, sich in andere Menschen hineinzuversetzen” (s.o.).
Kaum verwunderlich, dass bei der passiven Einfühlung jedes Mal ein anderes Ergebnis herauskommt. Nie wurde ein Stück auf die gleiche Art und Weise gespielt und interpretiert, denn jeder Musiker bringt seinen eigenen Erfahrungsschatz und -horizont mit. Und jeder besitzt damit eine ganz eigene Grundlage für die Einfühlung in andere Menschen.
Diese Grundlage und Fähigkeit zur Empathie entwickelt sich bereits in den ersten Lebenswochen und -monaten. Ohne die direkte Interaktion mit vertrauten Personen erleiden Kleinkinder oft langanhaltende Defizite, wenn es es darum geht, sich in andere hineinzuversetzen.
Von diesen frühesten Erfahrungen an begleitet uns Empathie ein Leben lang: Sie ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses, der stark mit Lernen, Imitation und Spiegelung verbunden ist. Deshalb zum Schluss nochmals ein Zitat von Julia Fischer, dass sich auf ein Lebensalter bezieht, das mit besonders starker neuronaler Umstrukturierung und Vernetzung verbunden ist:
“Warum Schüler sich mit Musik befassen sollten, hat den einfachen Grund: weil sie als reifere Menschen aus dem Musikunterricht rausgehen. Es dreht sich doch sehr viel, vielleicht alles im Leben eines Menschen darum, dass wir andere Menschen verstehen, mit ihnen mitfühlen.” (aus: Die ZEIT vom 17.12.2008, Nr. 52)
28. November 2009 um 12:59
Ein schöner Gedanke, nur nicht umsetzbar da wir ganz andere Probleme an den Schulen haben.