Die Informatik, das ist ein ganzer Berufsstand voller Missverständnisse.
Die gängigsten Vorurteile über Informatiker ranken sich um schmale, ausgezehrte Körper in XL-Karohemden. Nervöse Hände korrigieren schmale Hornbrillen und kurz-zauseliges Haar, schrauben sich Hardware aus Heineken-Kästen zusammen. Geeks und Nerds wird außerdem eine ausgeprägte Scheu vor a) Licht und b) Mitmenschen nachgesagt.
Unfreiwillig viel über die Selbstwahrnehmung dieses Metiers gab der gestrige SpOn-Artikel “Balzen für Informatiker. Schau mir in die Augen, Nerd!” preis.
Da versammelten sich am 12. Januar rund 300 Informatikstudenten des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI), um Schäkern via SMS zu erlernen. Mobile Flirting sozusagen. Selten dürfte ein Seminar des Wahlpflicht-Fachs “Soft Skills” so viel Zulauf erfahren haben.

Auf diesem Foto ist unschwer zu erkennen: Der Erwerb sozialer Kompetenzen und Empathie liegen nah beieinander. Laut FR online spricht Dozent Phillip von Senftleben explizit von Empathie, er “fordert die angehenden Ingenieure auf, sich in den (sic!) Gegenüber hineinzuversetzen.” Womit sich erneut der Spiegelneuronen-Kreis schließt. Denn diese leisten den biologisch-automatisierten Anteil der Einfühlung. Ob dann aber im Face-to-face-Flirtfall anschließend die richtigen Worte gewählt werden, liegt auf höheren kognitiven Ebenen und lässt sich der Flirtsituation eher schwer mit einem Ausfall der Spiegelneurone rechtfertigen. (Weshalb ein dahingetipptes “LG” via SMS allerdings unempathisch sein soll, leuchtet kaum ein.)
Fazit:
Ein “interessantes” Soft-Skill-Seminar, bei dem sich die Frage aufdrängt, ob der “Informatiker an sich” per se Geek-Strukturen in sich trägt und deshalb gerne mit Technik interagiert oder ob er genau dadurch Empathiestrukturen schwerer etablieren kann.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, viel wichtiger ist, dass sich die Zunft der Informatiker regelmäßig unter´s Volk mischt und soziale Situationen durchspielt. Was passiert, wenn das nicht passiert, singt für uns Studio Braun mit “Computerfreak” (auch: Heinz Strunk via last.fm):
“Emotions schockgefrostet,
verheddert in der Maus.”